Revit
Kurz gesagt
Revit ist die BIM-Software von Autodesk für Architektur, Tragwerk und technische Gebäudeausrüstung. Statt Linien werden Bauteile mit Eigenschaften modelliert, aus denen sich Grundrisse, Schnitte, Ansichten und Mengen automatisch ableiten. Wer Revit angibt, sollte die Fachdisziplin nennen, denn Architektur-, Tragwerks- und TGA-Modellierung unterscheiden sich in Familien, Arbeitsabläufen und Prüfroutinen deutlich.
Worum es geht
Revit arbeitet modellbasiert: Eine Wand ist kein Rechteck, sondern ein Objekt mit Aufbau, Material und Verhalten gegenüber anderen Bauteilen. Alle Pläne sind Ansichten desselben Modells, weshalb eine Änderung überall gleichzeitig ankommt — das ist der eigentliche Unterschied zu AutoCAD. In Projekten mit mehreren Büros wird über IFC ausgetauscht und in Koordinationswerkzeugen auf Kollisionen geprüft.
Wofür es im Alltag gebraucht wird
- Gebäudemodell mit Ebenen, Rastern und Bauteilen aufbauen, aus dem die Planserien entstehen
- Bauteilfamilien anlegen und parametrisieren, damit Varianten ohne Neumodellierung entstehen
- Mengen und Bauteillisten für Ausschreibung und Kalkulation direkt aus dem Modell ziehen
- Fachmodelle über IFC austauschen und Kollisionen zwischen Rohbau, TGA und Tragwerk prüfen
- Ausführungspläne mit Beschriftung, Bemaßung und Plankopf im vereinbarten Planstand ausgeben
- Im Team über Zentraldatei und Arbeitsbereiche gleichzeitig am selben Modell arbeiten
Aufwand
Die Bedienung sitzt nach vier bis acht Wochen; die Umstellung vom Zeichnen auf das Modellieren dauert bei Umsteigern aus AutoCAD realistisch ein halbes Jahr, weil eine andere Denkweise dahintersteht. Wirklich anspruchsvoll ist der Familienbau, also das Erstellen eigener parametrischer Bauteile — das beherrschen in vielen Büros nur einzelne Personen. Dazu kommt die BIM-Organisation im Projekt mit Vorgaben zu Detaillierungsgrad und Namenskonventionen.
Wirkung aufs Gehalt
Revit begründet keinen automatischen Aufschlag, verändert aber den Rollenzuschnitt. Wer neben der Modellierung Koordination, Familienerstellung oder Modellprüfung übernimmt, arbeitet faktisch in einer BIM-Koordinationsrolle und damit auf einer anderen Verantwortungsstufe. Diese Rolle wird höher vergütet als reine Planbearbeitung — der Hebel ist die Aufgabe, nicht die Lizenz.
Wie knapp ist das am Markt?
Die Nachfrage nach Revit-Kenntnissen wächst, weil öffentliche Auftraggeber BIM zunehmend fordern und größere Büros umstellen. Das Angebot hinkt hinterher, besonders in der technischen Gebäudeausrüstung, wo Revit-Erfahrung mit Anlagentechnikwissen zusammenkommen muss. Reine Architektur-Modellierer sind leichter zu finden als TGA-Planer mit Revit-Praxis.
Rollen, die das voraussetzen
Häufige Fragen
Ist Revit dasselbe wie BIM?
Nein. BIM ist eine Arbeitsmethode mit Modellen, Informationen und abgestimmten Prozessen; Revit ist eines der Werkzeuge dafür. Ein Büro kann Revit einsetzen und trotzdem nicht nach BIM arbeiten, wenn Informationsanforderungen, Prüfschritte und Austauschregeln fehlen.
Was ist IFC und warum steht es in jeder Ausschreibung?
IFC ist das herstellerneutrale Austauschformat für Gebäudemodelle. Es ermöglicht, dass Architektur-, Tragwerks- und TGA-Modelle aus unterschiedlichen Programmen zusammengeführt und geprüft werden. Die Tücke liegt in der Zuordnung von Eigenschaften, die beim Export verlorengehen oder falsch zugeordnet werden.
Brauche ich neben Revit noch AutoCAD?
In der Praxis meist ja. Bestandsunterlagen, Zulieferpläne und Details kommen weiterhin als DWG, und viele Werkpläne entstehen zweidimensional. Die Kombination aus beidem ist am Markt deutlich gefragter als Revit allein.
Verwandte Qualifikationen
