DATEV
Kurz gesagt
DATEV ist die in Deutschland dominierende Softwarefamilie für Rechnungswesen und Lohn, ursprünglich von und für Steuerberater entwickelt. Wer DATEV-Kenntnisse angibt, meint fast immer Rechnungswesen pro oder Kanzlei-Rechnungswesen, seltener Lohn und Gehalt oder LODAS. Die Module haben im Arbeitsalltag wenig miteinander zu tun — deshalb gehört in jede Stellenanzeige und jede Bewerbung, welches gemeint ist.
Worum es geht
DATEV ist eine Genossenschaft der steuerberatenden Berufe und zugleich der Name ihrer Softwarelinie. Die Buchhaltungsdaten liegen im Rechenzentrum in Nürnberg und nicht auf dem Firmenserver — das prägt Arbeitsabläufe, Rechtevergabe und den Belegtransfer zwischen Kanzlei und Mandant. Für Unternehmen ohne eigene Kanzleianbindung dient DATEV Unternehmen online als Belegportal.
Wofür es im Alltag gebraucht wird
- Laufende Finanzbuchhaltung nach SKR03 oder SKR04 über Buchungsstapel statt Einzelerfassung
- Umsatzsteuer-Voranmeldung und Zusammenfassende Meldung direkt aus dem Programm übermitteln
- Belegübergabe zwischen Mandant und Kanzlei über Unternehmen online statt über den Pendelordner
- Offene-Posten-Verwaltung, Mahnwesen und Zahlungsverkehr über Debitoren- und Kreditorenstämme
- Lohnabrechnung mit Lohn und Gehalt oder LODAS inklusive der Meldungen an Sozialversicherung und Finanzamt
- Jahresabschluss vorbereiten: Anlagenbuchführung, Abgrenzungen und Übergabe an den Berater
Aufwand
Wer Buchhaltung beherrscht und aus einem anderen Programm kommt, ist in DATEV nach zwei bis vier Wochen produktiv — die Buchungslogik ist dieselbe, fremd sind Menüführung, Funktionstasten und der Weg über Buchungsstapel statt Einzelbuchung. Die kanzleispezifischen Teile wie Mandantenverwaltung, Wirtschaftsjahre und Abschluss-Workflow brauchen eher ein halbes Jahr Routine. Für die Lohnmodule gilt das nicht: LODAS und Lohn und Gehalt sind eigene Welten mit eigener Einarbeitungszeit.
Wirkung aufs Gehalt
DATEV allein hebt kein Gehalt. Der Effekt läuft über die Zugangstür: In Steuerkanzleien und bei Mittelständlern mit Kanzleianbindung ist DATEV faktisch Einstellungsvoraussetzung, und ohne diese Kenntnis fällt eine Bewerbung im ersten Sieb heraus, egal wie sicher die Buchhaltung sitzt. Bezahlt wird die fachliche Tiefe dahinter — Abschlusssicherheit, Umsatzsteuer, Anlagenbuchführung.
Wie knapp ist das am Markt?
DATEV-Kenntnisse sind weit verbreitet, aber ungleich verteilt: Bewerber aus Konzernen bringen SAP mit und kein DATEV, Bewerber aus Kanzleien umgekehrt. Für Mittelständler, die aus der Kanzleibetreuung kommen, ist das eine der häufigsten Ursachen langer Vakanzzeiten. Wer DATEV plus Abschlusssicherheit mitbringt, hat in der Metropolregion Nürnberg regelmäßig mehrere Angebote parallel.
Rollen, die das voraussetzen
Häufige Fragen
Reicht DATEV-Erfahrung aus der Kanzlei für eine Industriebuchhaltung?
Fachlich meist ja, technisch nicht immer. In der Kanzlei wird über Buchungsstapel und Mandantennummern gearbeitet, im Unternehmen häufiger in einer laufenden Fibu mit Kostenstellen und Schnittstellen zur Warenwirtschaft. Der Umstieg gelingt in wenigen Wochen; die eigentliche Umgewöhnung ist der Wechsel vom Mandantendenken auf einen einzigen Buchungskreis.
Was unterscheidet Lohn und Gehalt von LODAS?
Beides sind DATEV-Lohnprogramme. Lohn und Gehalt ist auf überschaubare Standardfälle ausgelegt, LODAS auf große und komplexe Abrechnungen mit vielen Mandanten, Tarifwerken und automatisierter Vorerfassung. Wer nur eines von beiden kennt, arbeitet sich in das andere ein, sollte das aber offen benennen.
Muss man für DATEV zertifiziert sein?
Nein. DATEV bietet Seminare und Nachweise über die eigene Akademie an, verlangt werden sie in Stellenanzeigen selten. Entscheidend ist, dass jemand im Fachgespräch beschreiben kann, welche Module er genutzt hat und wie ein Monatsabschluss bei ihm konkret ablief.
