PRINCE2
Kurz gesagt
PRINCE2 ist eine prozessorientierte Projektmanagement-Methodik, die Projekte in klar abgegrenzte Phasen mit definierten Rollen, Entscheidungspunkten und Dokumenten gliedert. Sie stammt aus dem britischen Verwaltungsumfeld und ist in angelsächsisch geprägten Konzernen sowie in IT- und Beratungsprojekten weit verbreitet. Zertifiziert wird in zwei Hauptstufen: Foundation für das Methodenverständnis und Practitioner für die Anwendung auf Projektsituationen.
Worum es geht
Die Methodik ruht auf Grundprinzipien wie fortlaufender geschäftlicher Rechtfertigung, definierten Rollen und Verantwortlichkeiten sowie dem Steuern über Phasen und Toleranzen. Dazu kommen die zu managenden Themen — etwa Business Case, Qualität, Risiken, Änderungen — und die Prozesse von der Projektvorbereitung bis zum Projektabschluss. Kern der Idee ist das Steuern nach Ausnahmeprinzip: Der Lenkungsausschuss greift erst ein, wenn vereinbarte Toleranzen überschritten werden. Geprüft wird per Multiple Choice, Foundation ohne und Practitioner mit szenariobasierten Aufgaben.
Wofür es im Alltag gebraucht wird
- Ein Projekt mit klarem Business Case aufsetzen und ihn über die Laufzeit fortschreiben
- Lenkungsausschuss und Projektrollen so besetzen, dass Entscheidungen eindeutig zugeordnet sind
- Phasenfreigaben strukturieren und Projekte bei fehlender Rechtfertigung geordnet beenden
- Änderungen über einen definierten Änderungsprozess statt über Zuruf steuern
- In Konzern- und Behördenprojekten die geforderte Methodik nachweisen
- Projektdokumentation so führen, dass sie auch bei Personalwechsel tragfähig bleibt
Aufwand
Foundation-Kurse dauern als Spanne etwa 2 bis 3 Tage, Practitioner-Kurse zusätzlich etwa 2 bis 3 Tage; Selbstlernvarianten strecken sich entsprechend. Die Kosten liegen als Spanne je nach Anbieter und Format etwa zwischen 1.000 und 3.000 Euro je Stufe einschließlich Prüfungsgebühr. Die Practitioner-Zertifizierung ist zeitlich befristet und muss über eine Erneuerung oder eine erneute Prüfung aufrechterhalten werden.
Wirkung aufs Gehalt
PRINCE2 wirkt vor allem als Zugangsvoraussetzung in Umgebungen, die die Methodik verbindlich einsetzen — dort steht sie regelmäßig in der Ausschreibung. In Betrieben, die nicht danach arbeiten, ist sie ein Signal für strukturiertes Vorgehen, mehr nicht. Anders als bei IPMA prüft die Zertifizierung kein Erfahrungsniveau, weshalb Arbeitgeber die tatsächliche Projektverantwortung ohnehin separat abfragen.
Wie knapp ist das am Markt?
Nachgefragt wird PRINCE2 vor allem in IT-Projekten, bei Beratungshäusern, in international geführten Konzernen und im öffentlichen Umfeld. Im klassischen deutschen Maschinen- und Anlagenbau begegnet einem häufiger das IPMA-Modell. Kandidaten, die beide Welten kennen und zwischen prozessorientiertem und kompetenzbasiertem Vorgehen übersetzen können, sind in Schnittstellenrollen besonders gefragt.
Rollen, die das voraussetzen
Häufige Fragen
Ist PRINCE2 mit agilen Methoden vereinbar?
Ja, es gibt eine ausdrücklich agile Ausprägung der Methodik, die Phasensteuerung und Toleranzen mit iterativer Lieferung verbindet. In der Praxis arbeiten viele Organisationen hybrid: klassische Steuerung auf Programmebene, agile Umsetzung in den Teams. Wichtig ist, dass die Entscheidungswege dabei eindeutig bleiben.
Foundation allein oder mit Practitioner?
Foundation belegt das Methodenverständnis und reicht, wenn man in Projekten mitarbeitet. Wer Projekte selbst leitet oder in Ausschreibungen genannt werden soll, braucht in der Regel den Practitioner. Der Aufwand für die zweite Stufe ist überschaubar, wenn beide zeitnah abgelegt werden.
Verfällt die Zertifizierung?
Die Practitioner-Stufe ist befristet und muss aufrechterhalten werden, die Foundation-Stufe ist in dieser Hinsicht unkritischer. Die konkreten Fristen und Verlängerungswege legt die zertifizierende Organisation fest und passt sie gelegentlich an. Vor einer Bewerbung lohnt der Blick auf das Ablaufdatum der eigenen Urkunde.
