SAP SD
Kurz gesagt
SAP SD deckt den Vertriebsprozess ab: Angebot, Kundenauftrag, Lieferung, Warenausgang und Faktura. Das inhaltlich anspruchsvollste Stück ist die Preisfindung über die Konditionstechnik, an der die meisten Einarbeitungen hängenbleiben. Wer SD nennt, sollte sagen können, ob er Aufträge erfasst, Lieferungen gesteuert oder Fakturen und Gutschriften bearbeitet hat.
Worum es geht
SD steht für Sales and Distribution und verbindet Vertrieb, Versand und Fakturierung. Jeder Auftrag hängt an einer Kombination aus Verkaufsorganisation, Vertriebsweg und Sparte; daraus leiten sich Preisfindung, Verfügbarkeitsprüfung und Versandsteuerung ab. Am Ende der Kette entsteht die Rechnung, die als Beleg direkt auf die Debitorenseite in FI läuft.
Wofür es im Alltag gebraucht wird
- Kundenaufträge anlegen, ändern und Terminzusagen über die Verfügbarkeitsprüfung absichern
- Preise, Rabatte und Zuschläge über Konditionssätze pflegen statt sie manuell zu überschreiben
- Lieferungen anlegen, kommissionieren, Warenausgang buchen und Versandpapiere erzeugen
- Fakturen erstellen, Sammelrechnungen bilden und Rechnungssperren auflösen
- Retouren sowie Gut- und Lastschriftsanforderungen mit korrektem Belegfluss abwickeln
- Auftragsbestand, Rückstände und offene Lieferungen für den Vertrieb auswerten
Aufwand
Auftragserfassung und Lieferabwicklung lernt jemand mit Innendiensterfahrung in zwei bis vier Wochen. Die Konditionstechnik ist der Punkt, an dem Einarbeitungen typischerweise ein halbes Jahr brauchen: Zugriffsfolgen, Konditionsarten und Kalkulationsschema werden erst greifbar, wenn man einmal einen falschen Preis zurückverfolgt hat. Die Belegflussanalyse über Auftrag, Lieferung und Faktura ist die zweite Hürde.
Wirkung aufs Gehalt
SD-Kenntnisse erhöhen das Innendienstgehalt nicht direkt. Sie entscheiden aber darüber, ob eine Bewerbung bei Industrieunternehmen mit SAP-Landschaft überhaupt in die Auswahl kommt. Höhere Vergütung entsteht in dieser Rollenfamilie über Exportabwicklung, Fremdsprachen oder Teamverantwortung, nicht über das Modul.
Wie knapp ist das am Markt?
Innendienstkräfte mit SD-Praxis werden dauerhaft gesucht, weil die Rolle in produzierenden Betrieben systemgebunden ist und Quereinstiege dort teuer sind. Besonders knapp sind Profile, die SD mit Exportabwicklung, Zoll oder Konsignationsprozessen verbinden. Reine Auftragserfassung ohne Prozessverständnis ist dagegen breit verfügbar.
Rollen, die das voraussetzen
Häufige Fragen
Was ist die Konditionstechnik?
Der Mechanismus, mit dem SAP Preise ermittelt. Über Konditionsarten, Zugriffsfolgen und Kalkulationsschema sucht das System der Reihe nach passende Konditionssätze, etwa zuerst kundenspezifisch, dann kundengruppenbezogen, dann den Listenpreis. Wer erklären kann, warum ein Auftrag den falschen Preis zieht, hat damit gearbeitet.
Wie hängen SD und MM zusammen?
Über Bestand und Verfügbarkeit. Ein Kundenauftrag reserviert Material, der Warenausgang bucht es aus, und beides greift auf dieselben Bestände zu, die der Einkauf über MM beschafft. Im Streckengeschäft laufen beide Module sogar in einem Belegfluss zusammen.
Gibt es SD in S/4HANA noch?
Ja, der funktionale Kern bleibt bestehen; verändert haben sich Oberflächen, Stammdatenmodell und Auswertungen. Kunden- und Lieferantenstamm sind im Geschäftspartner zusammengeführt, und viele Aufgaben laufen über Fiori-Apps statt über die klassischen Transaktionen.
Verwandte Qualifikationen
