Geprüfter Technischer Fachwirt (IHK)
Kurz gesagt
Der Geprüfte Technische Fachwirt (IHK) richtet sich an Facharbeiter aus gewerblich-technischen Berufen, die kaufmännische Verantwortung übernehmen wollen, ohne die Technik zu verlassen. Er kombiniert technische Grundlagen mit betriebswirtschaftlichen Handlungsfeldern und schließt die berufs- und arbeitspädagogische Eignung ein. Damit ist er die typische Wahl für Rollen an der Schnittstelle von Fertigung, Vertrieb und Kalkulation.
Worum es geht
Die Prüfung besteht aus fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen mit technischem und wirtschaftlichem Teil, aus handlungsspezifischen Qualifikationen zu Themen wie Auftragsabwicklung, Fertigungsplanung, Qualitätswesen und Kostenrechnung sowie aus dem berufs- und arbeitspädagogischen Teil. Zugelassen wird typischerweise, wer eine anerkannte technische Ausbildung und danach Praxis nachweisen kann. Der integrierte Ausbildungsteil unterscheidet ihn von den rein kaufmännischen Fachwirten.
Wofür es im Alltag gebraucht wird
- Technische Angebote kalkulieren und mit dem Kunden über Varianten und Preise sprechen
- Fertigungsaufträge terminieren und Rückstände mit der Werkstatt bereinigen
- Reklamationen technisch bewerten und kaufmännisch abschließen
- Arbeitspläne und Vorkalkulationen mit den Ist-Zeiten aus der Fertigung abgleichen
- Auszubildende im technischen Bereich anleiten und Ausbildungsabschnitte planen
- Zwischen Konstruktion, Einkauf und Produktion übersetzen, wenn Termine kollidieren
Aufwand
Berufsbegleitend dauert der Lehrgang als Spanne je nach Modell etwa 18 bis 30 Monate, Vollzeitvarianten etwa 5 bis 8 Monate. Die Kosten liegen als Spanne je nach Träger und Bundesland etwa zwischen 3.500 und 7.000 Euro plus Prüfungsgebühren; der Ausbildungsteil wird teils separat abgerechnet. Eine Förderung über das Aufstiegs-BAföG ist grundsätzlich möglich, die Bewilligung erfolgt im Einzelfall.
Wirkung aufs Gehalt
Der Technische Fachwirt öffnet Stellen, die ein rein technisches Profil nicht bekommt: technischer Vertriebsinnendienst, Kalkulation, Auftragsmanagement, Arbeitsvorbereitung mit kaufmännischem Anteil. Der Wechsel aus der Werkstatt an den Schreibtisch verändert die Vergütungslogik grundlegend, weil Schicht- und Erschwerniszuschläge wegfallen und dafür ein höheres Grundgehalt steht. Netto ist das nicht automatisch mehr — dieser Punkt wird regelmäßig übersehen.
Wie knapp ist das am Markt?
Profile mit echter Fertigungserfahrung und kaufmännischer Qualifikation sind schwer zu finden, weil die meisten Kandidaten in einer der beiden Welten bleiben. Gesucht werden sie besonders im Maschinen- und Anlagenbau, wo Angebote ohne technisches Verständnis nicht kalkulierbar sind. Wer zusätzlich Zeichnungen lesen und ein ERP-System bedienen kann, bewegt sich in einem sehr dünnen Markt.
Rollen, die das voraussetzen
Häufige Fragen
Technischer Fachwirt oder Industriemeister?
Der Industriemeister bleibt in der Fertigung und führt dort Personal und Prozess; der Technische Fachwirt geht in die kaufmännische Abwicklung. Wer weiterhin an der Linie stehen und Schichten verantworten will, nimmt den Meister. Wer Angebote rechnen, Termine steuern und mit Kunden sprechen will, den Fachwirt.
Ist die Ausbildereignung wirklich enthalten?
Ja, der berufs- und arbeitspädagogische Teil gehört zur Prüfung. Wer ihn bereits separat abgelegt hat, kann sich diesen Teil unter den Voraussetzungen der zuständigen IHK anrechnen lassen. Das sollte vor Lehrgangsbeginn geklärt werden, weil es Zeit und Kosten spart.
Für welche Stellen wird er konkret verlangt?
Am häufigsten in technischem Innendienst, Kalkulation, Arbeitsvorbereitung und Auftragszentren produzierender Betriebe. Wir besetzen solche Positionen im Kundenauftrag in Festanstellung und sehen den Abschluss dort regelmäßig als gleichwertige Alternative zum Techniker genannt.
