SIMATIC STEP 7
Kurz gesagt
SIMATIC STEP 7 ist die klassische Siemens-Programmiersoftware für die Steuerungsfamilien S7-300 und S7-400, meist als Version V5 bezeichnet. Sie ist trotz des Nachfolgers TIA Portal weiterhin im Feld, weil Bestandsanlagen jahrzehntelang laufen und ein Umbau Produktionsstillstand bedeutet. Wer Instandhaltung oder Service an älteren Anlagen macht, braucht sie unabhängig davon, was neu geplant wird.
Worum es geht
STEP 7 V5 programmiert Steuerungen in den Sprachen KOP, FUP und AWL, ergänzt um SCL für rechenintensive Aufgaben. Programme sind in Bausteine gegliedert: Organisationsbausteine für den zyklischen Ablauf, Funktionen und Funktionsbausteine für die Logik, Datenbausteine für Werte. Die Hardware wird separat in HW Konfig projektiert, und die Kommunikation läuft in dieser Steuerungsgeneration überwiegend über Profibus.
Wofür es im Alltag gebraucht wird
- Bestehende Steuerungsprogramme an S7-300 und S7-400 lesen, ändern und dokumentieren
- Störungen im laufenden Betrieb über Variablentabellen und Bausteinstatus online beobachten
- Hardwarekonfiguration und Profibus-Teilnehmer anpassen, wenn Baugruppen getauscht werden
- Bausteine und Symboltabellen so pflegen, dass die Anlage auch Jahre später wartbar bleibt
- Sicherungen des Anlagenstands ziehen und nach einem Baugruppentausch zurückspielen
- Bestandsprogramme für eine spätere Migration in Richtung TIA Portal aufbereiten
Aufwand
Wer das TIA Portal kann, findet sich in STEP 7 V5 innerhalb von zwei bis vier Wochen zurecht, muss sich aber an die getrennten Werkzeuge und die ältere Bedienung gewöhnen. Für Einsteiger ohne SPS-Hintergrund sind mehrere Monate begleitete Praxis nötig, und AWL ist der Teil, der am längsten braucht. Wichtiger als die Software ist ohnehin das Verständnis für den Prozess, den die Anlage fährt.
Wirkung aufs Gehalt
Kein Aufschlag im klassischen Sinn, aber ein Verhandlungsargument im Service: Wer die alte Steuerungsgeneration beherrscht, hält Anlagen instand, die sonst stillstehen, und das ist für den Betreiber unmittelbar teuer. Der Effekt zeigt sich eher in Zulagen für Rufbereitschaft und Reisetätigkeit als im Grundgehalt.
Wie knapp ist das am Markt?
Es klafft eine Schere: Ausgebildet wird überwiegend am TIA Portal, gebraucht wird für Bestandsanlagen weiterhin STEP 7 V5. Betriebe mit Anlagen aus den 1990er- und 2000er-Jahren finden dafür immer schwerer Leute, weil erfahrene Kollegen in Rente gehen. Wer beide Generationen bedient, ist in der Instandhaltung ausgesprochen gut positioniert.
Rollen, die das voraussetzen
Häufige Fragen
Lohnt es sich, STEP 7 V5 noch zu lernen?
Für Instandhaltung und Service ja, für die Planung neuer Anlagen nein. Wer im Bestand arbeitet, kommt an S7-300 und S7-400 kaum vorbei; wer neue Anlagen projektiert, arbeitet praktisch immer im TIA Portal.
Was ist AWL und warum taucht es immer wieder auf?
AWL ist eine maschinennahe, textbasierte Programmiersprache dieser Steuerungsgeneration. Alte Programme sind häufig darin geschrieben, weil sie speichersparend und schnell war. Für Änderungen an Bestandscode muss man sie lesen können, auch wenn neu kaum jemand darin schreibt.
Kann man S7-300-Programme einfach ins TIA Portal übernehmen?
Es gibt einen Migrationsweg, aber er ist selten ein Selbstläufer. Hardware-Zuordnung, absolute Adressierung und herstellerfremde Baugruppen führen regelmäßig zu Nacharbeit, und die Anlage muss danach neu in Betrieb genommen und abgenommen werden.
Verwandte Qualifikationen
